Der erste ETF-Kauf fühlt sich für die meisten größer an, als er ist. Dabei lässt sich der komplette Einstieg in vier klare Schritte zerlegen, vom leeren Depot bis zum automatisch laufenden Sparplan. Wer diese Reihenfolge einhält, macht die typischen Anfängerfehler gar nicht erst.
Schritt 1: Notgroschen zuerst
Bevor der erste Euro in einen ETF fließt, gehört ein Grundpolster auf ein Tagesgeldkonto. Das muss nicht sofort die volle Summe von drei bis sechs Nettogehältern sein, aber ein Basis-Notgroschen von ein bis zwei Monatsgehältern verhindert, dass eine unerwartete Ausgabe dich zwingt, frisch gekaufte ETF-Anteile mit Verlust wieder zu verkaufen. Wie du diesen Puffer aufbaust, steht ausführlich im Artikel Notgroschen aufbauen.
Schritt 2: Den richtigen Broker wählen
Für einen ETF-Sparplan als Einsteiger zählen vor allem vier Kriterien: Sparplankosten, laufende Depotgebühren, Auswahl an sparplanfähigen ETFs und Benutzerfreundlichkeit der App. Neobroker wie Scalable Capital bieten mittlerweile Sparpläne ohne Ordergebühr an, ein kostenloses Depot und eine Kontoeröffnung inklusive VideoIdent, die meist innerhalb weniger Minuten abgeschlossen ist. Wichtig ist außerdem, dass der Broker der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegt und von der BaFin reguliert wird, das gilt für alle etablierten deutschen Neobroker und Filialbanken.
Schritt 3: Den ETF auswählen, das 100-Prozent-Credo
Für den ersten Sparplan reicht ein einziger, breit gestreuter ETF vollkommen aus. Ein thesaurierender MSCI-World-ETF oder ein FTSE-All-World-ETF deckt je nach Variante 1.500 bis fast 3.000 Unternehmen weltweit ab, über alle großen Branchen und Länder verteilt. Mein Credo für Einsteiger lautet deshalb: 100 Prozent ETF-Basis, bevor überhaupt über Einzelaktien oder andere Anlageklassen nachgedacht wird. Wer versucht, gleichzeitig einen ETF-Sparplan aufzubauen und einzelne Aktien zu picken, verzettelt sich meistens in beidem.
„Thesaurierend“ bedeutet, dass Erträge automatisch reinvestiert werden, statt ausgezahlt zu werden, das ist für den langfristigen Vermögensaufbau in der Regel die praktischere Variante, weil der Zinseszinseffekt ohne manuelles Wiederanlegen weiterläuft.
Schritt 4: Sparplan einrichten und automatisieren
Der letzte Schritt ist rein mechanisch: In der Broker-App den gewählten ETF suchen, einen Sparplan mit monatlichem Ausführungstermin anlegen, zum Beispiel zum 1. oder 15. des Monats, und die Sparrate festlegen. Direkt im Anschluss lohnt sich ein Blick auf den Freistellungsauftrag im Kundenkonto, damit Kapitalerträge bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr steuerfrei bleiben. Ab diesem Moment läuft der Sparplan automatisch weiter, ohne dass jeden Monat eine neue Entscheidung nötig ist.
Der Fahrplan im Überblick
- Basis-Notgroschen aufbauen (1 bis 2 Nettogehälter)
- Broker wählen (kostenloses Depot, Sparplan ohne Ordergebühr, BaFin-reguliert)
- Einen breit gestreuten, thesaurierenden ETF wählen (MSCI World oder FTSE All-World)
- Sparplan einrichten, Freistellungsauftrag setzen, automatisch laufen lassen
Was danach passiert: der Markt schwankt, der Plan bleibt
Der Moment, der die meisten Anfänger testet, kommt nicht beim ersten Kauf, sondern beim ersten Kursrückgang. Ein Minus von 15 oder 20 Prozent fühlt sich beunruhigend an, ist historisch betrachtet aber ein normaler Teil jedes Marktzyklus. Der Sparplan ist genau für diesen Moment gebaut: Bei fallenden Kursen kauft dieselbe monatliche Rate automatisch mehr Anteile, das nennt sich Cost-Average-Effekt. Wer in solchen Phasen weiter einzahlt statt zu pausieren, profitiert später überdurchschnittlich von der Erholung.
Wie viel du monatlich einplanen solltest
Die konkrete Sparrate hängt von deiner individuellen Rentenlücke und deinem verfügbaren Budget ab. Wer noch keine Vorstellung von der eigenen Zielzahl hat, findet eine konkrete Rechnung im Artikel Rentenlücke berechnen, dort steht auch, wie sich die nötige monatliche Rate mit dem Startalter verändert. Wichtiger als die exakte Höhe der ersten Sparrate ist, überhaupt anzufangen und die Rate später anzupassen, sobald sich Gehalt oder Fixkosten ändern.
Ein häufiger Anfängerfehler ist außerdem, die Sparrate zu hoch anzusetzen und den Sparplan nach wenigen Monaten aus Geldnot wieder zu reduzieren oder zu pausieren. Eine realistische, dauerhaft durchhaltbare Rate schlägt langfristig eine ambitionierte Rate, die immer wieder unterbrochen wird.
Der Unterschied zwischen ETF-Auswahl und TER
Zwei ETFs auf denselben Index, etwa den MSCI World, unterscheiden sich meistens kaum in der Wertentwicklung, aber in der Kostenquote, der sogenannten TER (Total Expense Ratio). Ein ETF mit einer TER von 0,20 Prozent kostet pro Jahr 20 € auf 10.000 € Anlagesumme, ein ETF mit 0,50 Prozent TER kostet 50 €. Über 20 Jahre und mit Zinseszinseffekt summiert sich dieser scheinbar kleine Unterschied auf mehrere Tausend Euro. Als Faustregel: Bei ETFs auf denselben breiten Index lohnt sich fast immer die Variante mit der niedrigeren TER, sofern Fondsgröße und Handelsvolumen ausreichend hoch sind.
Ich teile hier meinen eigenen Ansatz und keine individuelle Anlageberatung. Historische Renditen sind keine Garantie für die Zukunft, und jede Investition in Wertpapiere ist mit Risiken verbunden.
Häufige Fragen
Reicht wirklich ein einziger ETF für den Anfang?
Ja. Ein breit gestreuter Welt-ETF deckt tausende Unternehmen weltweit ab. Für den Einstieg ist das ausreichend diversifiziert, weitere Bausteine kommen erst später dazu, wenn überhaupt.
Wie lange dauert die komplette Einrichtung?
Die Depoteröffnung inklusive VideoIdent dauert bei den meisten Neobrokern rund 10 bis 15 Minuten, die Einrichtung des Sparplans selbst wenige Minuten mehr.
Was mache ich, wenn der Markt direkt nach meinem Einstieg fällt?
Nichts Zusätzliches. Der Sparplan läuft automatisch weiter und kauft bei niedrigeren Kursen mehr Anteile für dieselbe Sparrate. Ein Pausieren aus Angst vor fallenden Kursen widerspricht dem Prinzip des langfristigen Sparplans.
Depot eröffnen und ersten Sparplan starten
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